avatar youtube twitter facebook rss bubble-blue file-pdf instagram arrow-up check plus bubble-blue login meinswb cellphone phone tv heat water ico-emergency ico-cer ico-docx ico-jpg ico-mp3 ico-p7b ico-pdf ico-png ico-xlsx ico-zip ico-blanco
Publikum hinter Mikro

Hörkino-Programm 2019

Das Auge führt den Menschen in die Welt. Das Ohr führt die Welt in den Menschen.

Stimmen aus aller Welt, spannende Reportagen, anrührende Schicksale: Radio-Geschichten sind wie Kino für die Ohren. An jedem ersten Mittwoch im Monat präsentieren Beate Hoffmann und Charly Kowalczyk ein Radio-Feature im swb-Kundencenter (Sögestraße) – Eintritt frei.

2019 feiern wir, dass es »bremer hörkino« im swb-Kundencenter seit 15 Jahren gibt: Hören als gemeinsames Erlebnis und danach ins Gespräch kommen mit den Journalistinnen und Journalisten der Radio-Geschichten. Sehen, wer das Gesicht ist hinter den Radio-Kulissen. Hören, was die Autoren erzählen – über abenteuerliche Recherchen oder Komisches aus dem Alltag von Journalisten.


Unterstützt wird die Kulturreihe durch swb.

Veranstaltet von
Beate Hoffmann und Charly Kowalczyk
Bremer Medienbüro
Elsasser Straße 27
28211 Bremen

Im swb Kundencenter
Ecke Sögestraße/ Am Wall
28195 Bremen

An jedem ersten Mittwoch im Monat um 20 Uhr:

  • 5. Juni
  • 4. September
  • 2. Oktober
  • 4. Dezember

5. Juni 2019, 20 Uhr

Täter in Uniform - Polizeigewalt in Deutschland

von Marie von Kuck (Südwestrundfunk/Deutschlandfunk/Westdeutscher Rundfunk, 2018)

Wenn Polizisten in Deutschland Straftaten begehen, werden sie nur sehr selten zur Verantwortung gezogen – begünstigt durch ein System, in dem Gewalt von Polizisten nicht unabhängig untersucht wird. Dafür landen nicht selten die Opfer auf der Anklagebank.

Je brenzliger die Lage, desto lauter der Ruf nach starken Sicherheitsorganen. Doch was, wenn Polizisten selbst zur Gefahr werden? Die Liste der Vorwürfe ist lang: Anschläge auf friedliche Bürger, Misshandlungen in Gewahrsamszellen, sogar Totschlag und Mord im Dienst. Die Polizeigewerkschaft spricht von bedauerlichen Ausnahmen und schwarzen Schafen.

Doch Amnesty International kritisiert strukturelle Polizeigewalt in Deutschland schon seit Jahren. Strafanzeigen gegen Polizisten führen auffällig selten zu einem Verfahren und fast nie zur Verurteilung der Beschuldigten. Geschädigte, die sich dagegen wehren, bekommen dagegen die ganze Härte des Gesetzes zu spüren. Im Vergleich zum Bevölkerungsdurchschnitt werden Polizisten nur sehr selten verurteilt. Wird der Rechtsstaat seinem Anspruch noch gerecht?

Dieses Feature von Marie von Kuck errang beim Prix Europa 2018 den zweiten Platz in der Kategorie „current affairs“ - und somit die besondere Empfehlung der Jury.

Marie von Kuck, in Leipzig geboren in der Oppositionsbewegung aktiv, studierte Puppenspiel und ist Theatertherapeutin. Für den Rundfunk schreibt sie Reportagen, Hörspiele und Radio-Features. Erhielt den Deutschen Sozialpreis und den Medienpreis des Deutschen Roten Kreuzes.

 


4. September 2019, 20 Uhr

Die Vogelmenschen von St. Kilda - Schottlands entlegenstes Archipel und der Klimawandel

von Udo Zindel (Südwestrundfunk, 2018)

Ein Dutzend Menschen und eine Million Seevögel leben heute auf St. Kilda - der außergewöhnlichsten Inselgruppe Schottlands, 170 Kilometer vom Festland. Sechs Jahrtausende lang hatte dort eine ebenso kleine wie handfeste Kultur überlebt, vor allem dank des enormen Reichtums an Seevögeln. Die Insulaner mauerten etwa 1.500 Vorratshäuschen aus unbehauenem Naturstein und bepflanzten die Dächer mit Gras. Sie dienten ihnen zum Lagern getrockneter Vögel und ihrer Eier, zum Trocknen von Torf und Grassoden, den einzigen Brennstoffen, und um Vorräte vor rauem Seewetter zu schützen. Und so ist das entlegene Saint Kilda, auch nach dem Exodus der Insulaner 1930, die weltweit am besten erhaltene Kulturlandschaft ihrer Art.

Traurig zu wissen, dass die Seevogelbestände wegen des Klimawandels dramatisch zurückgehen. Manche Arten sind bereits weitgehend verschwunden. "Die Inseln könnten sich bis zur Unkenntlichkeit verändern", warnt der National Trust for Scotland.

SWR-Reporter Udo Zindel hat sich auf den weiten Weg gemacht, das - noch - größte Seevogel-Habitat im Nordostatlantik zu erkunden und mehr über die Geschichte St. Kildas zu erfahren.

Udo Zindel besuchte die Deutsche Journalistenschule in München und studierte Geografie, Politische Wissenschaften und Neuere Geschichte. Er arbeitet als Hörfunkredakteur für den SWR und unterrichtet an den Universitäten Tübingen und Konstanz unterrichtet als Gastdozent.

 


2. Oktober 2019, 20 Uhr

Der Augenmensch – Porträt des niederländischen Schriftstellers Cees Nooteboom

von Lore Kleinert und Mechthild Müser (Radio Bremen, 2018)

Er ist ein Reisender, ein neugieriger Nomade, unterwegs in der Welt zwischen Tradition und Moderne, in Städten, die noch nicht im Heute angekommen scheinen, in Kulturen, über die er gelesen hat und die vor Ort völlig Unverhofftes bieten.

Cees Nooteboom sammelt Länder und Landschaften, Begegnungen mit Menschen, und seine Eindrücke bringt er in vielfältigen Formen zu Papier: als Gedichte, Reiseberichte, Briefe und Erzählungen und als Romane, vielfach preisgekrönt. Die Reisen des Umtriebigen sind kaum weniger geworden, und er lebt wechselweise auf Menorca, im Allgäu und in Amsterdam.
Dort haben die Autorinnen ihn und seine Frau, die Fotografin Simone Sassen, besucht und mit ihnen gesprochen: über den Verlust der Kindheit und das Gewicht der Erinnerung, über Bilder und Bücher, die Unruhe des Reisens und den Wert der Freundschaft. Weggefährten und Freunde kommen zu Wort, umgeben von Texten und Gedichten, die dem Schriftsteller besonders viel bedeuten.

Lore Kleinert arbeitet als Literaturkritikerin und Autorin - nach einem langen Radio Bremen-Leben als Feature-Autorin, Kulturjournalistin, Moderatorin und Abteilungsleiterin Kultur. Mitorganisatorin von „globale°- Festival für grenzüberschreitende Literatur.“

Mechthild Müser war Redakteurin bei Radio Bremen Zwei. Schreiben und Reisen sind für sie wichtige Lebenselixiere. Ihre Reisereportage aus dem Amazonasbecken ist für den Columbus-Radiopreis nominiert.

 


6. November 2019, 20 Uhr

Im Stich gelassen - Wenn die Justiz überlastet ist

von Eleni Klotsikas (Südwestrundfunk, 2018)

Immer wieder sind Gerichte in Deutschland überlastet, Verfahren ziehen sich über Jahre hin, Anklageschriften stapeln sich. Bei vielen Gerichten fehlt es am nötigen Personal und an der Ausstattung, bei manchen Richtern aber sind die Probleme hausgemacht. Während einige nahe am Burnout arbeiten, um das Pensum zu schaffen, gehen andere umfangreichen Nebentätigkeiten nach.

Die Folgen: das Verfahren gegen einen vorbestraften Sexualstraftäter, der mehrere Kinder vergewaltigt hat, ist sieben Jahre nach der Anklageerhebung noch immer nicht beendet. In einem der größten Fälle von Bilanzmanipulation und Kreditbetrug hängt ein Insolvenzverfahren seit Jahren in der Luft. Schadenersatzansprüche gegen die vermeintlichen Betrüger kann der Insolvenzverwalter nicht geltend machen, weil die Gerichte überlastet sind. Anleger und Investoren befürchten gar den Verlust ihrer Ansprüche, weil das Strafverfahren gegen die Verantwortlichen zu verjähren droht. Menschen, die Gerechtigkeit erwarten, fühlen sich von der Justiz im Stich gelassen.

 


4. Dezember 2019, 20 Uhr

Intensivstation Schule - Ein Feature über den Alltag in einer Lernfabrik

von Jens Schellhass (Radio Bremen, ARD Radiofeature, 2018)

Schule ist ein Spiegel der Gesellschaft. Sie ist die Wiege unserer volkswirtschaftlichen Zukunft und die Fabrik, die Bildung vermitteln und leistungsstarken Nachwuchs hervorbringen soll. Doch das Schulsystem krankt. Die zunehmenden sozialen Unterschiede innerhalb unserer Gesellschaft sind in den Klassenräumen angekommen. Armut, Migration, Aggression und familiäre Vernachlässigung halten Einzug in den Schulalltag. Lehrer und Schüler werden gleichermaßen zu Opfern des Systems. Hier Lehrer, die bei allem Engagement an ihre Leistungsgrenzen stoßen - dort Schüler, deren individuelle Begabung systembedingt verkümmern muss, weil es an Förderung und Beachtung fehlt.

Drei Jahrzehnte nach Ende der eigenen Schulzeit hat sich der Autor noch einmal auf die Schulbank gesetzt. Für ein knappes Jahr. Um Einblick zu erhalten hinter die Kulissen eines verstörenden Schulbetriebs.

Jens Schellhass, lebt als Autor in Bremen. Für seine Features und Reportagen ist er mehrfach ausgezeichnet worden, unter anderem mit dem Deutschen Radiopreis, dem DRK-Medienpreis und dem Feature-Preis Bremer Hörkino. Seine Produktionen suchen vor allem nach sinnlichen Darstellungsformen von komplexen Inhalten und Hintergründen.