Das Auge führt den Menschen in die Welt. Das Ohr führt die Welt in den Menschen.
Stimmen aus aller Welt, spannende Reportagen, anrührende Schicksale: Radio-Geschichten sind wie Kino für die Ohren. An jedem ersten Mittwoch im Monat präsentieren Beate Hoffmann und Charly Kowalczyk um 19:30 Uhr ein Radio-Feature im Alten Fundamt, Auf der Kuhlen 1A, 28203 Bremen. Der Eintritt frei. Weitere Informationen zu den Terminen und zu den Hygienebedingungen sind zu finden auf www.bremer-hoerkino.de.
Unterstützt wird die Kulturreihe durch swb.
Veranstaltet von
Beate Hoffmann und Charly Kowalczyk
Bremer Medienbüro
Elsasser Straße 27
28211 Bremen
4. Februar 2026, 19.30 Uhr
Atompoker mit Russland
Deutsche Brennelemente-Fabrik will mit Rosatom kooperieren
von Maike Hildebrand und Karl Amannsberger
Die Firma ANF im niedersächsischen Lingen produziert Brennelemente für Atomkraftwerke in Westeuropa – beliefert mit russischem Uran. Künftig will das Unternehmen auch Brennelemente für Reaktoren russischer Bauart in Osteuropa und Finnland herstellen. Trotz des Angriffskriegs auf die Ukraine soll dafür eine direkte Zusammenarbeit mit dem russischen Staatskonzern Rosatom auf den Weg gebracht werden.
Die Geheimdienste des Bundes prüfen, wie akut die Risiken von russischer Spionage und Sabotage sind. Auch das Bundeskanzleramt ist in das laufende Genehmigungsverfahren involviert.
4. März 2026, 19:30 Uhr
Westsahara
Heißer Sand und ein verlorenes Land
von Olivia Wimmer
Die Westsahara ist ein von Marokko besetztes Gebiet an der Nordwestküste Afrikas. Im Jahr 1975 bricht der Krieg zwischen Marokko und dem Volk der Sahrawi aus. Hunderttausende Sahrawi fliehen ins Landesinnere, in die Wüste, und über die Grenze nach Algerien, wo sie sich mitten in der Sahara in improvisierten Zeltstädten niederlassen. Der von der UNO verhandelte Waffenstillstand von 1991 ist an eine Abstimmung gekoppelt: ein Referendum. Die Sahrawi sollen entscheiden, ob sie zu Marokko gehören oder einen eigenen Staat gründen wollen. Doch das Referendum findet nie statt. Die Menschen harren seit 50 Jahren in der Wüste aus.
Das Klima ist unwirtlich, internationale Hilfsorganisationen helfen mit Lebensmitteln und Wasser, doch nicht immer reichen die Rationen. Gesundheits- und Bildungssystem sind elementar ausgebaut, in den Lagern gibt es kaum Jobs oder Freizeitangebote für junge Menschen. Ein Leben im Verharren in kompletter Abhängigkeit. Und so sind viele wieder bereit, zu den Waffen zu greifen, denn die junge sahrawische Generation ist des Wartens müde.
1. April 2026, 19:30 Uhr
Black Box Sterbehilfe
Doku über assistierten Suizid
von Martina Keller
Seit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts 2020 boomt die Suizidhilfe in Deutschland. Das höchste Gericht hatte damals entschieden, dass die Unterstützung zum Suizid unter bestimmten Voraussetzungen straffrei ist. Die Folge: Sterbehilfeorganisationen und Einzelpersonen – Ärzte, Bestatter, Juristen, Lehrer – helfen zunehmend mehr Menschen, sich das Leben zu nehmen. Und lassen sich ihre Dienstleistung gut bezahlen.
Die Zahl der Suizide insgesamt stieg 2022 erstmals seit langem auf mehr als 10.000 im Jahr. Wie viele davon begleitet wurden, weiß aber niemand: Das Statistische Bundesamt erfasst assistierte Suizide nicht gesondert. Überhaupt liegt auf dem Gebiet vieles im Dunkeln. So kritisieren Fachleute, dass Suizidwillige mit psychischen Problemen oft nicht von Fachärzten begutachtet werden, um zu klären, ob sie freiwillig handeln. Zudem betätigen sich viele Gutachter gleichzeitig als Suizidhelfer – ein Interessenskonflikt. Die Hilfe zur Selbsttötung ist eine Art Black Box – weitgehend unerforscht und undokumentiert.
6. Mai 2026, 19:30 Uhr
Übertourismus
Aufstand auf den Balearen
von Daniel Guthmann
Nach der großen Delle während der Corona-Pandemie hat der internationale Tourismus wieder kräftig an Fahrt aufgenommen. Die Wachstumsbranche mit ihren Auswirkungen auf den Klimawandel und Artensterben stellt schon wieder neue Rekorde auf.
In touristischen Regionen und Städten Europas bildet sich zugleich immer mehr Protest gegen den Massentourismus. Einheimische schließen sich zu Bürgerbewegungen zusammen, weil sie das Gefühl haben, vom Tourismus langsam, aber sicher verdrängt zu werden. Angeprangerte Missstände sind: kaum noch bezahlbare Wohnungen für die Bevölkerung und für Saisonarbeiter des Tourismus, überfüllte Straßen und Strände, prekäre Arbeitsverhältnisse, der Verlust von tourismusfreien städtischen und natürlichen Räumen sowie der Niedergang lokaler Kultur.
Am Beispiel der Balearen-Insel Mallorca, auf der sich 2024 eine große Protestbewegung gebildet hat, erzählt das Feature von den Anliegen der Aktivisten gegen den »Übertourismus«.
3. Juni 2026, 19:30 Uhr
Das Vergewaltiger-Netzwerk
Doku über eine Undercover-Recherche unter Tätern
von Isabell Beer und Isabel Ströh
In Telegram-Gruppen und auf der Pornoseite »motherless« tauschen sich Nutzer darüber aus, wie sie Frauen unbemerkt betäuben und vergewaltigen können. Fotos und Videos davon teilen sie anschließend online, teilweise in Echtzeit.
Über mehrere Jahre haben die Journalistinnen Isabell Beer und Isabel Ströh undercover in diesem Netzwerk recherchiert, Nutzerprofile, Chatverläufe, Fotos und Videos dokumentiert. Sie haben so ein internationales Vergewaltiger-Netzwerk aufgedeckt. Die Recherche hat einen Vergewaltiger aus Niedersachsen überführt, sowie Ermittlungen in mehreren Ländern ausgelöst. Die Veröffentlichung der Recherche entsteht durch eine Kooperation mit dem Storytelling-Podcast »11KM Stories«. Das »Medium Magazin« zeichnete die beiden Autorinnen als Journalistinnen des Jahres 2025 aus.
2. September 2026, 19:30 Uhr
Alterndes Japan
Szenen aus einem Land im Umbruch
von Malte Jaspersen
Japan steht vor einer Herausforderung: die Geburtenrate sinkt seit Jahren. Bis 2040 wird die Hälfte aller kleinen Orte auf dem Land verlassen sein. Die Studentin Minori fragt sich, ob sie hier ihre Vorstellungen, zu arbeiten und Kinder aufzuziehen, verwirklichen kann.
Widerstrebend öffnet sich das Land ausländischen Arbeitskräften wie der Indonesierin Toji, die in einem Krankenhaus in Hiroshima arbeitet. Im ehemaligen Weberviertel von Kyoto kümmert sich Ken um alte Menschen. Aber im Städtchen Nagi-Cho geschieht Überraschendes: Der Geburtenrückgang wird nicht nur aufgehalten, sondern umgekehrt.
7. Oktober 2026, 19:30 Uhr
Kindesherausgabe
Wenn Eltern von Schulverweigerern das Sorgerecht verlieren
von Charly Kowalczyk
In Deutschland gibt es eine gesetzliche Schulpflicht. Eltern sind verpflichtet, sie gegenüber ihren Kindern durchzusetzen. Beide Elternteile sind sich dabei nicht immer einig, ob und wie das geschehen soll. So beginnt mitunter ein erbitterter Streit ums Sorgerecht, der letztendlich vor Familiengerichten landet. Manchmal kommt es sogar bis zum äußersten und Kinder werden aus ihren Familien genommen. Wie im Fall von zwei Müttern aus Berlin und Bayern.
Dabei stellt sich die Frage, ob Jugendämter und Familiengerichte angemessen darauf reagieren, wenn die Schulpflicht vernachlässigt wird? Wie können staatliche Institutionen Fehler vermeiden oder sie korrigieren, damit das Wohl des Kindes immer an erster Stelle steht?
4. November 2026, 19:30 Uhr
Briefe aus dem Gefängnis
Widerstand im Iran
von Gilda Sahebi
Die Geschichte der Islamischen Republik Iran ist untrennbar mit dem Schicksal von politischen Gefangenen verbunden. Vom ersten Tag ihrer Machtübernahme an verfolgten, verhafteten und töteten die Anführer des Regimes systematisch Kritiker*innen und Oppositionelle.
Trotz aller staatlichen Gewalt leisten Menschen weiter Widerstand, wie zuletzt in der »Woman, Life, Freedom-Bewegung«. Briefe, die politisch Inhaftierte seit Jahrzehnten aus den Gefängnissen schreiben, sind Dokumente des Protests gegen die Unterdrückung. Sie sind Schwerter des Lichts, die sich der Dunkelheit widersetzen.
2. Dezember 2026, 19:30 Uhr
Die Frau mit dem Auge
Krankheit erzählen – Krankheit politisieren
von Barbara Eisenmann
Bei einer Grauen-Star-Operation hat die Autorin nicht nur beinahe ihr rechtes Auge verloren, sondern auch eine mehrjährige Krankheitserfahrung gemacht, in deren Verlauf sich Fragen stellten: Lässt sich Kranksein erzählen? Was macht Krankheit mit der Kranken als Subjekt? Und was könnte es heißen, Krankheit als politische Erfahrung zu begreifen?
Sie erörtert die Fragen mit ihren Freundinnen und in einem fiktiven Dialog.