Nachhaltiges Bauen: Architektur der Zukunft
Nachhaltigkeit ist ein Begriff, mit dem wir uns immer wieder konfrontiert sehen – so auch beim Thema Bau und Immobilien. Zu Recht, denn ein Hausbau sowie die anschließende Nutzung und Instandhaltung sind sehr ressourcenaufwändig. Dies muss allerdings nicht zwingend sein, weshalb sich das Konzept des nachhaltigen Bauens etabliert hat. Wo konventionelle Baukonzepte an ihre Grenzen stoßen, eröffnet nachhaltigeres Bauen neue Möglichkeiten.
Inhalt:
- Was ist nachhaltigeres Bauen?
- Wichtige Aspekte nachhaltigerer Architektur
- Vor- und Nachteile im Überblick
- Nachhaltigeres Bauen lokal gelebt
Was ist nachhaltiges Bauen?
Begrünte Dachterrassen und vertikale Gärten an Häuserwänden – diese Bilder kommen den meisten als erstes in den Sinn, wenn von grüner Architektur und nachhaltigerem Bauen gesprochen wird. Ein bekannter Schauplatz für solch begrünte Hochhäuser ist zum Beispiel Singapur. Die Stadt setzt bei vielen Gebäuden auf begrünte Fassaden, die vor Hitze und Sonneneinstrahlung schützen, und gleichzeitig wertvollen Sauerstoff in der Großstadt produzieren sollen.
Die Definition für nachhaltigeres Bauen gibt es jedoch nicht. Im Kern kommt es darauf an, den Energie- sowie den Ressourcenverbrauch zu reduzieren und die Umwelt zu jedem Zeitpunkt so gering wie möglich zu belasten. Dies gilt demnach nicht nur für den Bau selbst, sondern für den gesamten Lebenszyklus des Hauses (Bau – Nutzung – Rückbau).
Denn grüne Fassaden allein reichen nicht. Das weiß auch die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB), die Gebäude in Deutschland anhand bestimmter Kriterien hinsichtlich ihrer gesamtheitlichen Nachhaltigkeit bewertet. Das darauf beruhende Zertifizierungssystem des DGNB eV ermöglicht es, Bemühungen für nachhaltiges Bauen in Deutschland mess- und vergleichbar zu machen.
Die Non-Profit-Organisation hat es sich dabei außerdem zur Aufgabe gemacht, nachhaltigere Bauunterfangen nicht nur in der Konstruktions-, sondern auch in der Planungs- und Nutzungsphase zu unterstützen.
Zu den Bewertungskriterien der DGNB zählen:
- Ökologische Qualität (z.B. Ökobilanz des Gebäudes)
- Ökonomische Qualität (z.B. gebäudebezogene Kosten im Lebenszyklus)
- Soziokulturelle & funktionale Qualität (z.B. Innenraumluftqualität)
- Technische Qualität (z.B. Qualität der Gebäudehülle)
- Prozessqualität (z.B. Qualitätssicherung der Bauausführung)
- Standortqualität (z.B. Verkehrsanbindung)
(Detaillierte Informationen hierzu finden Sie auf der offiziellen Website dgnb-system.de.)
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Wichtige Aspekte nachhaltiger Architektur
1. Ressourceneffizienz
Nachhaltigeres Bauen zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass sehr bewusst qualitativ hochwertige und schadstofffreie beziehungsweise -arme Baustoffe genutzt werden. Diese sollten aus erneuerbaren Quellen stammen und bei der Gewinnung und beim Transport möglichst geringe Umweltschäden und Energiekosten verursachen. Außerdem sollten die Baustoffe eine hohe Lebensdauer aufweisen und wiederverwertbar sein. Als eines dieser Materialien gilt Holz, welches in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle spielt.
2. Energieeffizienz
Ziel ist es auch, die Energieeffizienz des Gebäudes zu verbessern. Deshalb braucht es eine ordentliche Isolierung, Dämmung sowie eine zukunftsfähige Energieversorgung. Es geht hierbei nämlich nicht nur um das bloße Sparen von Energie. Für eine zukunftsfähige Energieversorgung ist es in der Regel sinnvoll, auf eigene Energieerzeugungsanlagen zu setzen. Sei es durch Photovoltaik-Zellen auf der Sonnenseite des Gebäudes, Windkraftwerke auf den Dächern von Wolkenkratzern oder beispielsweise durch Fernwärme oder Nahwärme. Maßnahmen wie diese können nicht nur bei Neubauten realisiert, sondern auch durch Sanierungen erreicht werden und damit den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes positiv beeinflussen.
3. Ganzheitlichkeit
Im Sinne der Gebäudeeffizienz wird außerdem der ganzheitliche Lebenszyklus von Architektur begutachtet. Um Rohstoffe und Energie optimal zu nutzen, sollten allen Phasen des Lebenszyklus beachtet werden. Das betrifft die Planung, Konstruktion, Nutzung und den Rückbau. Auch der Standort und die Art der Nutzung spielen bei der ganzheitlichen Betrachtung von Architektur eine entscheidende Rolle. Aber auch Dinge wie das Abwasseraufkommen oder die allgemeine Marktfähigkeit sind wichtig für die Vergabe eines DGNB-Zertifikats.
4. Beitrag zu Stadtbild und Landschaftsschutz
Häuser können potenziell einen Beitrag für den Umweltschutz in Städten liefern. Entscheidend kann beispielsweise sein, wie viel Fläche ein Gebäude beansprucht, wie die Biodiversität am Standort durch den Bau bzw. das Gebäude gefördert wird oder ob ein Hausbau Risiken für die lokale Umwelt darstellt.
5. Wohn- und Arbeitsqualität
Auch soziokulturelle Aspekte gehören zum Leitfaden dazu. Ein angenehmes Raumklima, akustischer und visueller Komfort sowie eine hohe Aufenthaltsqualität könnten womöglich positive Effekte nachhaltigerer Architektur sein. Dies kann beispielsweise durch Lüftungskonzepte, Sonnen- und Blendschutz sowie die Steuerung von Kunstlicht gelingen. Die natürliche Atmosphäre in diesen Häusern fördert potenziell die Behaglichkeit beim Wohnen und Arbeiten und macht eine nachhaltigere Bauweise so attraktiver. Vor diesem Hintergrund werden Gestaltungskonzepte von Außenanlagen und ihre Wirkung auf das allgemeine Wohlbefinden untersucht.
Nachhaltigeres Bauen: Vor- und Nachteile auf einen Blick
Mögliche Vorteile:
- Positivere Ökobilanz, d. h. besserer Schutz des Ökosystems und der Landschaft
- Positiverer Beitrag zu Stadtbild und -klima
- Niedrigere Betriebskosten dank optimierter Energiekonzepte
- Individuellere Behaglichkeit durch innovative Raumkonzepte
- Nutzung von Fördermöglichkeiten
Die Vorteile können ausgesprochen vielfältig sein, obwohl es im Gesamtbild auch Nachteile geben kann. Auch wenn mehr Nachhaltigkeit beim Bau gefordert wird, kann das beispielsweise einen höheren Planungsaufwand bedeutet. Insofern nachhaltigeres Bauen jedoch weitere Verbreitung findet, könnten sich auch einfachere Verfahren und Lösungsansätze Abhilfe schaffen.
Die beim nachhaltigeren Bau häufig höheren Investitionskosten können sich im zeitlichen Verlauf durch niedrigere Betriebskosten amortisieren. In diesem Fall entsteht langfristig kein Nach-, sondern bei der richtigen Herangehensweise sogar ein Vorteil. Sollte mit einer Begrünung gearbeitet werden, darf natürlich auch die Instandhaltung und Pflege im Alltag nicht vergessen werden. Auch beim nachhaltigeren Bauen kann es immer individuelle Verzögerungen und Probleme geben. Dies ist jedoch die Unbekannte, die in jedem Bauprojekt vorkommt. Sollten Sie persönlich einen Hausbau anstreben, sollten Sie solche Eventualitäten immer im Vorfeld zeitlich und finanziell einkalkulieren.
Nachhaltiges Bauen lokal gelebt
Nachhaltiger zu bauen, ist die Zukunft der Bauindustrie. Ambitionierte Projekte in Städten wie Amsterdam, Singapur oder Berlin haben heute eine Vorbildfunktion für die Kombination von Natur und Architektur. Bis diese Bauweise die Regel wird, ist es noch ein Stück zu gehen. Doch mit der zunehmend bewussteren Denkweise vieler Menschen im Bauwesen könnte sich einiges zum Positiven ändern. Damit die Städte ökologischer werden, könnte nachhaltigeres Bauen und Wohnen ein erster Schritt sein.
Auch in Bremen ist dies zu beobachten. So wurde beispielsweise schon früh bei den Umbaumaßnahmen am Weserstadion von 2008 bis 2011 ein neues Energiekonzept in Zusammenarbeit mit EWE und swb erarbeitet. Das Stadion wurde in diesem Zuge mit einer hochmodernen Photovoltaik-Verkleidung ausgestattet, die aus 200.000 Solarzellen besteht. Wer genau hinsieht, kann die feinen Drähte im Stadiondach erkennen, die für die Gewinnung der Solarenergie verantwortlich sind. Bis zu eine Million Kilowattstunden Strom können so pro Jahr erzeugt werden. Der swb Tarif Werder Strom versorgt seitdem in Bremen und umzu lebende Fans mit echtem Werder-Strom aus dem Stadion.
Tipp: Für weitere zukunftsweisende Projekte im Land Bremen schauen Sie bei Interesse gerne bei unserem Quartiersmanagement vorbei.
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