Erdgas: Entstehung, Zusammensetzung & Förderung
Erdgas zählt zu einem der wichtigsten Energieträger in Deutschland. Private Haushalte nutzen es unter anderem zum Heizen und Kochen. In der Industrie dient es zum Beispiel der Wärme- und Stromerzeugung. Doch wie entsteht Erdgas, woraus besteht es und wie gelangt es aus mehreren Kilometern Tiefe an die Erdoberfläche? Dies und mehr erfahren Sie in diesem Beitrag.
Lesezeit: 6 Minuten
Inhalt:
Das Wichtigste auf einen Blick
Entstehung: Erdgas entsteht über Millionen Jahre aus organischem Material.
Vorkommen: Erdgas lagert in 1.000 bis über 7.000 Metern Tiefe in unterirdischen Gesteinsschichten.
Gewinnung: Förderung aus unterirdischen Lagerstätten an Land und unter dem Meeresboden
Transport: Über Pipelines oder als verflüssigtes Erdgas (LNG) per Schiff
Zusammensetzung: Erdgas besteht zu 70 bis 99 Prozent aus Methan (CH4) sowie geringen Anteilen von Ethan, Propan, Butan, Stickstoff und Kohlendioxid.
Einsatzbereiche: Heizen, Kochen, Warmwasseraufbereitung, Stromerzeugung, Rohstoff in der chemischen Industrie
Besonderheiten: Erdgas ist farblos, geruchsneutral und ungiftig.
Was ist Erdgas?
Erdgas ist ein natürliches, ungiftiges, brennbares und geruchloses Gasgemisch, das im Erdinneren zu finden ist. Erdgas ist leichter als Luft und besteht zum Großteil aus Methan. Genau wie Erdöl entsteht es in unterirdischen Lagerstätten aus den Überresten von Tieren und Pflanzen. Doch auch in Mooren, Sümpfen, in der Nutztierhaltung oder in Kläranlagen bildet sich das natürliche Gas.
Wie entsteht Erdgas?
Übrigens: Kohlenstoff ist ein wesentlicher Bestandteil von Erdgas und notwendig für das Leben auf der Erde. Erfahren Sie mehr darüber in unserem Beitrag zum Kohlenstoffkreislauf.
Woraus setzt sich Erdgas zusammen?
Erdgas ist ein natürliches Gasgemisch. Sein Hauptbestandteil ist Methan (CH4) – eine chemische Verbindung von Kohlenstoff und Wasserstoff. Je nach Lagerstätte enthält Erdgas außerdem weitere Kohlenwasserstoffe wie Ethan, Propan und Butan sowie Stickstoff, Kohlendioxid und teilweise auch Helium.
In manchen Erdgasvorkommen sind zudem Schwefelverbindungen wie Schwefelwasserstoff enthalten, die vor der Nutzung entfernt werden müssen. Je nach Erdgaslagerstätte variieren diese Anteile, sodass die genaue Zusammensetzung des Erdgases immer unterschiedlich ist.
Übrigens: Aufbereitetes Biogas (Biomethan) ist chemisch fast identisch mit Erdgas. Daher wird es oft beigemischt, um Erdgas zu strecken. Ab 2029 wird es für neu eingebaute Gasheizungen einen verpflichtenden Mindestanteil an Biomethan geben.
Die 4 Arten von Erdgas
Erdgas besteht meist überwiegend aus Methan. Entscheidend für die Einordnung sind deshalb die übrigen Bestandteile, denn Erdgas kann je nach Region und Lagerstätte sehr unterschiedlich sein. Je nach der Zusammensetzung des Erdgases wird zwischen diesen verschiedenen Erdgasarten unterschieden:
1. Trockengas
Trockengas besteht fast ausschließlich aus Methan. Schwerere Kohlenwasserstoffe wie Ethan, Propan oder Butan sind kaum enthalten. Es muss vor der Nutzung kaum aufbereitet werden und hat einen hohen Brennwert.
2. Nassgas
Nassgas enthält neben Methan größere Mengen schwererer Kohlenwasserstoffe. Diese Bestandteile können bei der Aufbereitung abgetrennt und als wertvolle Rohstoffe oder Brennstoffe weiterverwendet werden.
3. Süßgas
Süßgas ist Erdgas mit einem sehr geringen Gehalt an Schwefelwasserstoff und Kohlendioxid. Es lässt sich vergleichsweise einfach fördern, transportieren und nutzen.
4. Sauergas
Sauergas enthält viel Schwefelwasserstoff und oft auch Kohlendioxid. Vor der Nutzung muss es aufwendig gereinigt werden, da Schwefelwasserstoff giftig und stark korrosiv ist. Bei der Aufbereitung wird der Schwefelwasserstoff entfernt und häufig zu Schwefel verarbeitet, der beispielsweise in Düngemitteln Verwendung findet.
Wie wird Erdgas gefunden?
Bevor Erdgas gefördert werden kann, müssen geeignete Lagerstätten gefunden werden. Dazu setzen Geologinnen und Geologen* verschiedene Verfahren wie geologische Kartierungen, Satellitendaten und die sogenannte Reflexionsseismik ein.
Die Reflexionsseismik funktioniert wie ein Echolot: Es werden seismische Wellen mithilfe von Schallquellen oder speziellen Fahrzeugen erzeugt, die dann im Untergrund an verschiedenen Gesteinsschichten reflektiert werden. Aus den zurückkehrenden Signalen lassen sich dann dreidimensionale Bilder des Untergrunds erstellen. Fachleute erkennen auf diesen Bildern, ob sich dort Erdgaslagerstätten befinden können.
Grundsätzlich wird zwischen konventionellen und unkonventionellen Erdgaslagerstätten unterschieden. In konventionellen Lagerstätten hat sich das Erdgas in porösen Sandstein- oder Kalksteinschichten unter einer undurchlässigen Gesteinsschicht gesammelt. Diese natürlichen Erdgasfallen lassen sich recht einfach erschließen. Bei unkonventionellen Lagerstätten hingegen ist das Erdgas im Gestein gebunden, in dem es entstanden ist, beispielsweise in Schiefergestein.
Wie wird Erdgas gewonnen?
Wie wird Erdgas transportiert?
Nach der Förderung wird das Erdgas zunächst gereinigt und anschließend in das Fernleitungsnetz eingespeist. Den größten Teil seines Weges legt es durch unterirdische Pipelines mit einem Druck von bis zu 100 bar zurück. Da der Druck auf langen Strecken nachlässt, sorgen Verdichterstationen dafür, den Druckverlust auszugleichen. Über regionale Verteilernetze gelangt es schließlich zu Haushalten, Unternehmen und Kraftwerken.
Für den Transport über große Entfernungen – insbesondere zwischen Kontinenten – wird Erdgas häufig als Flüssigerdgas (LNG) verschifft. Dazu wird es auf etwa −162 °C heruntergekühlt und verflüssigt, damit es sein Volumen deutlich reduziert und mehr transportiert werden kann. Am Zielort wird das LNG in speziellen Terminals dann wieder erwärmt, in den gasförmigen Zustand zurückversetzt und anschließend in das Gasnetz eingespeist.
Wie wird Erdgas gespeichert?
Die Speicherung von Erdgas geschieht unterirdisch in speziell dafür vorgesehenen Erdgasspeichern.
Kavernenspeicher entstehen in unterirdischen Salzstöcken, aus denen große Hohlräume ausgespült werden. Da Salz nahezu gasundurchlässig ist, eignen sich diese Speicher besonders gut. Sie können Erdgas schnell aufnehmen und ebenso schnell wieder abgeben. Deshalb werden sie genutzt, um kurzfristige Schwankungen im Verbrauch auszugleichen.
Porenspeicher bestehen aus ehemaligen Erdgas- oder Erdöllagerstätten. Das Gas wird in die feinen Poren des Gesteins eingelagert und kann bei Bedarf wieder entnommen werden. Weil die Einspeisung und Entnahme aus dem Porenspeicher länger dauern, sind Porenspeicher vor allem für eine langfristige Speicherung vorgesehen.
Welchen Einfluss hat Erdgas auf die Umwelt?
Im Vergleich zu Kohle oder Heizöl verursacht Erdgas bei der Verbrennung weniger Emissionen, weniger Feinstaub, weniger Stickoxide. Auch die CO2-Emissionen sind bezogen auf den Brennwert geringer als bei Kohle und Öl. Außerdem lässt es sich leicht transportieren und speichern. Jedoch können entlang der Förderungskette Methanemissionen entstehen. Methan als Hauptbestandteil von Erdas, das ungenutzt in die Atmosphäre entweicht, besitzt die etwa achtzigfache Klimawirkung von CO2 und ist damit deutlich schädlicher. Schon kleine Leckagen stellen ein Klimarisiko dar. Auch Fracking wird kritisch gesehen. Die möglichen Folgen für Umwelt und Grundwasser lassen sich nur schwer abschätzen, sind aber aufgrund der eingesetzten Chemikalien nicht zu vernachlässigen.
Erdgas bleibt zudem ein fossiler und endlicher Rohstoff. Deshalb gilt es langfristig nicht als zukunftsfähige Lösung. Außerdem lässt es sich nicht mit den Klimazielen der Bundesregierung vereinen, denn Deutschland will bis 2045 klimaneutral sein.
Wofür wird Erdgas verwendet?
Erdgas wird in vielen Bereichen genutzt: In privaten Haushalten dient es vor allem zum Heizen, für die Warmwasserbereitung und zum Kochen. In der Industrie wird Erdgas als Energiequelle und als wichtiger Rohstoff verwendet, beispielsweise für die Herstellung von Düngemitteln, Kunststoffen oder Wasserstoff. Außerdem kommt es in Gaskraftwerken zur Strom- und Wärmeerzeugung zum Einsatz.
Gibt es auch Autos, die mit Erdgas fahren?
Ja, Erdgasfahrzeuge, auch CNG-Fahrzeuge (Compressed Natural Gas) genannt, fahren mit komprimiertem Erdgas. Sie verursachen im Vergleich zu Benzin- oder Dieselfahrzeugen geringere CO2-Emissionen und stoßen deutlich weniger Feinstaub sowie Stickoxide aus. Erdgasfahrzeuge sind allerdings sehr selten, da die Automobilindustrie den Fokus auf Elektroautos setzt.
Wie hoch ist der Brennwert von Erdgas?
Der Brennwert von Erdgas unterscheidet sich zwischen H- und L-Gas. Je nach Gastyp beträgt der Brennwert etwa 9-13 kWh pro Kubikmeter.
Was ist Erdgas H?
H-Gas (High Calorific Gas) ist eine Erdgasqualität mit einem hohen Energiegehalt. Es besteht zu etwa 87 bis 99 Volumenprozent aus Methan und besitzt dadurch einen höheren Brennwert als L-Gas. Aufgrund seines hohen Energiegehalts wird H-Gas heute in weiten Teilen Deutschlands für die Wärmeversorgung von Haushalten, Gewerbe und Industrie eingesetzt.
Was ist Erdgas L?
L-Gas (Low Calorific Gas) ist eine Erdgasqualität mit einem geringeren Energiegehalt. Es enthält etwa 80 bis 87 Volumenprozent Methan sowie höhere Anteile an Stickstoff und Kohlendioxid als H-Gas. In Deutschland wird L-Gas seit einigen Jahren schrittweise durch H-Gas ersetzt, weil sein Brennwert niedriger ist.
Tipp: Haben Sie sich auch schonmal gefragt, warum Gas in Kilowattstunden abgerechnet wird? Erfahren Sie hier, wieso das so ist und wie Sie Gas umrechnen.
Wie riecht Erdgas?
Erdgas ist von Natur aus geruchsneutral. Da aber von austretendem Erdgas eine Gefahr ausgeht, werden dem Gas Duftstoffe (Thioether) beigemischt, um Leckagen besser zu bemerken. Diese schwefelhaltigen Verbindungen erzeugen den klassischen Gasgeruch von faulen Eiern. Mehr dazu in unserem Beitrag: Gasgeruch erkennen.
Wie hoch ist der Erdgasverbrauch in Deutschland?
Der Gasverbrauch in Deutschland schwankt von Jahr zu Jahr und hängt unter anderem von den Temperaturen während der Heizperiode ab. Sehr kalte Winter führen in der Regel zu einem höheren Verbrauch, während milde Winter den Gasbedarf senken.
Im Jahr 2025 wurden in Deutschland insgesamt 864 Terawattstunden (TWh) Erdgas verbraucht. Das entspricht einem Anstieg von 2,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Rund 40 Prozent des Gasverbrauchs entfielen auf Haushalte und Gewerbe, während 60 Prozent von der Industrie genutzt wurden (Quelle: Bundesnetzagentur).
Woher stammt das Erdgas in Deutschland?
Deutschland deckt seinen Erdgasbedarf mittlerweile überwiegend durch Importe. Die wichtigsten Lieferländer sind derzeit Norwegen, die Niederlande und Belgien. Ein kleiner Teil stammt weiterhin aus der heimischen Förderung. Zusätzlich wird flüssiges Erdgas über LNG-Terminals per Schiff nach Deutschland gebracht.