LNG: alles über das Flüssigerdgas
Erdgas ist ein fossiler Energieträger, der meist über weite Strecken in Pipelines geleitet wird. Erdgas kann aber auch in flüssiger Form transportiert werden. Es wird dafür stark heruntergekühlt und dann als Flüssigerdgas zum Beispiel via Schiff zum Zielort gebracht. Welche Rolle LNG in der Erdgasversorgung spielt, welche Vor- und Nachteile es hat und wie die Zukunft vom flüssigen Erdgas aussieht, erfahren Sie hier.
Lesezeit: 3-4 Minuten
Inhalt:
Das Wichtigste in Kürze
- LNG ist Erdgas, das auf bis zu minus 164 Grad Celsius heruntergekühlt und verflüssigt wird.
- Im flüssigen Zustand benötigt es bis zu 600-mal weniger Platz, was den Transport vereinfacht.
- An LNG-Terminals wird LNG wieder in Gas umgewandelt und gespeichert oder ins Erdgasnetz eingespeist.
Was ist LNG?
Gasumwandlung an LNG-Terminals
Um LNG wieder in seine gasförmige Form umzuwandeln, gibt es spezielle LNG-Terminals. Dort legen mit Flüssigerdgas beladene LNG-Tanker an. Das LNG wird an den Terminals gelagert oder wieder in Gas umgewandelt (regasifiziert) und in das Gasnetz eingespeist.
Neben stationären Terminals dienen spezielle Schiffe als schwimmende Flüssigerdgasterminals. Diese werden als „Floating Storage and Regasification Units“ (FSRU) bezeichnet und können das Flüssigerdgas auch direkt auf dem Wasser in Erdgas umwandeln.
Andersherum kann auch Erdgas via Rohrleitungen von einer Erdgasförderstätte zu LNG-Terminals transportiert und dort umgewandelt werden.
Die Anwendungsbereiche von LNG-Gas
LNG dient vor allem dazu, große Mengen Erdgas platzsparend über weite Strecken zu transportieren. Denn die flüssige Form des Gases nimmt bis zu 600-mal weniger Raum ein. Nach der Ankunft am LNG-Terminal wird das Flüssigerdgas meist wieder in seinen gasförmigen Zustand versetzt und entweder gespeichert oder in das Erdgasnetz eingespeist.
Alternativ kann LNG als Kraftstoff für schwere Nutzfahrzeuge, Busse und Schiffe eingesetzt werden. Darüber hinaus lässt sich LNG nach der Regasifizierung wie klassisches Erdgas zur Erzeugung von Strom oder zum Heizen nutzen.
LNG: Vorteile & Nachteile
Vorteile von LNG
- Nimmt bis zu 600-mal weniger Raum ein (erleichtert Transport)
- Lässt sich flexibel via Schiff, Zug & LKW über weite Strecken transportieren
- Fast in jeder Region einsetzbar
- Zahlreiche Anwendungsbereiche (Kraftstoff, Energiespeicher, Energiegewinnung)
- LNG-Vorräte können Erdgas-Engpässe ausgleichen
Nachteile von LNG
- Herstellung von LNG ist energieaufwendig
- Besteht zum Großteil aus Methan (bis zu 98 Prozent), was es sehr klimaschädlich macht
- Lagerung und Transport von LNG erfordern hohe Sicherheitsanforderungen
- Von der Förderung bis zum Einsatz entweichen in der Regel zwischen 0,5 und 5 Prozent des Methans (siehe Methanschlupf)
Tipp: Falls Sie noch mehr zu Gas-Themen lesen möchten, können wir Ihnen unsere Artikel Gastherme richtig einstellen und Gas sparen empfehlen.
Zukunftsperspektive von LNG
LNG hat seit 2022 dazu beigetragen, die deutschen Erdgasimporte zu diversifizieren und die Versorgung zu sichern. Neben Pipelinegas aus Norwegen und Nachbarländern stehen mittlerweile auch deutsche LNG-Terminals für den Schiffstransport bereit. Jedoch ist unklar, wie viele LNG-Terminals Deutschland langfristig benötigt und ob alle geplanten Anlagen ausreichend ausgelastet werden.
Das Argument von LNG als Brückentechnologie wird zudem kritisiert. Zum einen verändert LNG aufgrund seines Methananteils Klimabilanzen nicht unbedingt zum Positiven. Zum anderen könnte der Ausbau von LNG-Infrastruktur eine Energieversorgung ohne fossile Energieträger langfristig sogar behindern.
Teile der Infrastruktur sollen zwar später für Wasserstoff oder Wasserstoffderivate wie Ammoniak und Methanol genutzt werden können, eine solche Umstellung würde teilweise aber teils Tanks, Materialien und Umwandlungsanlagen erfordern. Eine Umwandlung von LNG-Terminals zu Wasserstoff-Terminals wäre also nicht unaufwendig.
Die Nutzung von Erdgas und LNG soll langfristig reduziert werden. Allein im Jahr 2025 entfielen aber immerhin rund 10 Prozent der deutschen Gasimporte auf LNG-Importe (Quelle: Bundesnetzagentur). Damit ist Flüssigerdgas aktuell ein wesentlicher Bestandteil der deutschen Erdgasversorgung.
Was ist der Methanschlupf?
Als Methanschlupf wird Methan bezeichnet, das bei der Förderung, dem Transport oder der Nutzung entweicht oder nicht vollständig verbrannt wird. Dies kann beispielsweise bei bestimmten Motoren auftreten, die LNG als Kraftstoff verwenden. Das entwichene Methan gelangt dann in die Atmosphäre und fördert den Treibhauseffekt.
Ist LNG giftig oder gefährlich?
LNG ist nicht giftig, muss aber aufgrund seiner Eigenschaften vorsichtig gehandhabt werden. Der Kontakt mit dem extrem kalten Flüssigerdgas kann schwere Kälteverletzungen verursachen. Außerdem ist Erdgas leicht entzündlich und kann in geschlossenen Räumen den Sauerstoff verdrängen. Erfahren Sie hier, wie Sie den Gasgeruch erkennen.
Was ist Bio-LNG?
Bio-LNG ist verflüssigtes Biomethan, welches aus Biogas entsteht. Es wird beispielsweise in Biogasanlagen durch die Vergärung von Gülle, Pflanzenresten oder Bioabfällen erzeugt. Anschließend werden Kohlendioxid und weitere Bestandteile entfernt, bevor das aufbereitete Biomethan stark abgekühlt und verflüssigt wird.
Was ist synthetisches LNG?
Synthetisches LNG wird auch als „Synthetic Natural Gas“ (SNG) bezeichnet. Es kann beispielsweise mithilfe eines Power-to-Gas-Verfahrens hergestellt werden. Dabei wird zunächst Wasserstoff erzeugt, welcher anschließend zusammen mit Kohlendioxid in Methan umgewandelt wird. Wird dieses synthetische Methan verflüssigt, spricht man von synthetischem LNG.
Was ist der Unterschied zwischen CNG und LNG?
CNG (Compressed Natural Gas) ist im Vergleich zu LNG ein gewöhnliches Erdgas, dessen Energiedichte durch Druck erhöht werden muss, weshalb es auch Druckerdgas genannt wird.
Was ist der Unterschied zwischen LPG und LNG?
LPG (Liquefied Petroleum Gas) im Vergleich zu LNG ist verflüssigtes Propan bzw. ein Propan-Butan-Gemisch, welches schon bei Raumtemperatur und 8 bar flüssig wird.
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