Wo sind PFAS enthalten?
Weil die PFAS-Chemikalien wasser-, fett- und schmutzabweisend sowie hitzebeständig sind, werden sie mittlerweile in einer Vielzahl von Alltagsprodukten verwendet. Zum Beispiel verhindern sie in Bratpfannen, dass Gekochtes an Pfannen klebt, oder sorgen bei Regenjacken für eine wasserabweisende Wirkung. Die folgende alphabetische Liste gibt einen Eindruck über den vielseitigen Einsatz von PFAS:
- Antibeschlagmittel für Brillen
- Backpapier
- Druckfarbe
- Imprägnierspray
- Kältemittel in Kälteanlagen, Klimaanlagen oder Wärmepumpen
- Kabelummantelung
- Kosmetik
- Lack
- Löschschaum
- Pestizide
- Pfannen
- Pflanzenschutzmittel
- Reinigungs- & Schmiermittel
- Sandwichmaker
- Shampoo
- Verpackungen (Pizzakartons, Pommestüten, Burgerboxen)
- Wachse (Skiwachs)
- Waffeleisen
- Textilien (Outdoorbekleidung, Regenjacken)
- Zahnseide
Wie gelangen PFAS in die Umwelt?
PFAS-Moleküle gelangen unter anderem über Auswaschung und Abrieb in die Umwelt, ins Grundwasser und letztlich auch ins Trinkwasser. In der Industrie werden sie beispielsweise bei der Herstellung bestimmter Produkte über das Abwasser und über die Abgase an die Natur abgegeben.
In der Landwirtschaft können sie durch den Einsatz von bestimmten Pestiziden in die Böden gelangen. Denn Pestizide mit chemischen Stoffen, in deren Molekül eine Kohlenstoffverbindung mit Fluoratomen steckt (Wirkstoffe der C-CF2 oder C-CF3-Gruppe), enthalten laut Umweltbundesamt einen Baustein, der sich zu den PFAS zählen lässt. So kann es zusätzlich durch die Nutzung von verseuchtem Klärschlamm zu einer Verbreitung der Chemikalien kommen, da diese in Kläranlagen nicht vollständig herausgefiltert werden können.
Bei der Nutzung von Alltagsprodukten wie Bratpfannen, Textilien oder Kosmetik gelangen PFAS in unseren Körper und ins Abwasser – ebenso durch eine unsachgemäße Entsorgung der PFAS-haltigen Produkte. Zudem werden beispielsweise bei Feuerwehreinsätzen per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen in die Umwelt abgegeben, wenn Löschschaum zum Einsatz kommt.
PFAS-Verbot: Sind PFAS gefährlich?
Auch wenn PFAS meist nicht direkt giftig sind, konnten bei einigen dieser Ewigkeitschemikalien entwicklungstoxische und gesundheitsschädliche Wirkungen nachgewiesen werden. Deutschland hat zusammen mit anderen Ländern bereits 2023 einen Vorschlag für ein PFAS-Verbot bei der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) eingereicht.
Außerdem gibt es schon seit 2010 ein Verbot für die Chemikalie PFOS (Perfluoroctansulfonsäure) und seit 2020 ein Verbot für die Nutzung von PFOA (Perfluoroctansäure), da beide Stoffe als krebserregend und leberschädigend gelten.
Die Trifluoressigsäure (TFA), ein Abbauprodukt vieler Ewigkeitschemikalien, steht außerdem im Verdacht, eine fortpflanzungsgefährdende Wirkung zu haben. Durch Kläranlagen und Niederschläge gelangt die synthetische Säure ins Wasser und ist bereits in vielen Flüssen sowie im Trinkwasser nachweisbar.
PFAS-Grenzwert
Seit geraumer Zeit gibt es einen Grenzwert für PFAS im Trinkwasser. Dieser liegt aktuell bei 100 Nanogramm pro Liter für eine ausgewählte Gruppe von 20 PFAS (PFAS-20). Das heißt, es dürfen pro Liter Trinkwasser maximal 100 Nanogramm für die Summe aller PFAS-20 nachweisbar sein.
Übrigens: Unser swb-Trinkwasser hielt den Wert von 100 ng/l bereits vor der Einführung der Grenzwerte ein. Außerdem untersuchen wir die Trinkwasserqualität in der Region Bremen/Bremerhaven regelmäßig auf Auffälligkeiten. Alle Messungen zu PFAS lagen dabei bisher immer unter der jeweiligen Bestimmungsgrenze für die einzelnen PFAS von 1 bzw. 2 ng/l.
Neben den Grenzwerten im Trinkwasser gibt es dieses Jahr zusätzliche Verbote für bestimmte PFAS. Dazu gehören PFAS wie PFHxA sowie weitere verwandte Stoffe. Konkret betroffen sind dadurch vor allem Produkte wie Löschschaum, Textilien, Schuhe, Lebensmittelkartons/-papier und Kosmetika. Ein umfassenderes Verbot aller PFAS stand ebenfalls bereits im Raum. Ob es wirklich kommt, bleibt aber abzuwarten.
Gibt es Alternativen für PFAS?
Für einige Einsatzbereiche gibt es bereits heute praktikable Alternativen zu PFAS. Bei Outdoorkleidung etwa sind inzwischen PFAS-freie Beschichtungen erhältlich, die für den normalen Alltag ausreichend wetterfest sind und oft mit Hinweisen wie „PFC-frei“ gekennzeichnet werden.
Auch bei Lebensmittelverpackungen stehen inzwischen Ersatzlösungen in Form von nachhaltigeren Beschichtungen für Papier und Pappe zur Verfügung. Bei Kochgeschirr ist das bekannteste Beispiel für PFAS der Stoff PTFE, der umgangssprachlich als Teflon bekannt ist. Hier können statt PFAS-beschichteter Pfannen unbeschichtete Modelle aus Gusseisen, Edelstahl oder Schmiedeeisen genutzt werden. Auch fluorfreie Schaumlöschmittel für Feuerwehrkräfte und Feuerlöscher gibt es bereits.
Schwieriger ist der Verzicht auf PFAS in sensiblen technischen Bereichen wie der Medizintechnik. Alternativen für Dialyseschläuche und künstliche Herzklappen sind zurzeit nur schwer zu realisieren. Auch in Hightech-Anwendungen und bei Zukunftstechnologien wird noch nach geeigneten Lösungen gesucht.
Trotzdem gibt es viele Ansätze, wie bestimmte technische Anwendungen auch ohne PFAS auskommen könnten, wie zum Beispiel Wärmepumpen, die dann mit Propan statt mit fluorierten Kältemitteln betrieben werden.
Was können Verbrauchende zur Vermeidung von PFAS tun?
PFAS lassen sich nicht schmecken, sehen oder riechen. Es lässt sich deshalb meist nur schwer bestimmen, ob ein Produkt die Chemikalien enthält oder nicht. Auch eine Kennzeichnungspflicht für PFAS gibt es bisher nicht. Ganz vermeiden lassen sich diese Chemikalien im Alltag also nur schwer. Trotzdem gibt es einige Möglichkeiten, den PFAS aus dem Weg zu gehen und die persönliche Belastung zu senken:
1. Nutzen Sie für Lebensmittel möglichst wiederverwendbare Behälter und Verpackungen aus Glas, Keramik oder Metall.
2. Seien Sie vorsichtig bei Papier, Pappe, plastikfreiem Einweggeschirr und ähnlichen Materialien, wenn Öl auf der Oberfläche runde Tröpfchen bildet. Das kann auf eine PFAS-haltige Beschichtung hindeuten.
3. Verwenden Sie bei Küchenutensilien statt beschichteter Pfannen lieber unbeschichtete Modelle aus Edelstahl oder Emaille.
4. Achten Sie beim Neukauf von Regenjacken, Outdoorkleidung, Schuhen oder Imprägniermitteln auf Hinweise wie „ohne PFAS“, „fluorfrei“ oder „frei von PFC“.
5. Achten Sie bei Textilien, Möbeln, Polstern und Teppichen auf Hinweise wie „fleckgeschützt“, „wasserabweisend“ oder „ölabweisend“ und meiden Sie solche Produkte eher, da diese häufig PFAS enthalten.
6. Werfen Sie bei Beauty- und Kosmetikprodukten einen Blick auf die Inhaltsstoffe. Wenn bei organischen Verbindungen der Bestandteil „fluoro“ auftaucht, ist das ein starkes Indiz für PFAS im Produkt.
7. Verzehren Sie tierische Produkte wie Fisch, Meeresfrüchte, Eier, Fleisch und Innereien nur in Maßen. Diese gelten als besonders belastet.
Hinweis: Neben PFAS finden sich auch andere winzige Stoffe beispielsweise in tierischen Produkten: das Mikroplastik. Erfahren Sie in unserem Beitrag mehr dazu.
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