Was ist Grauwasser?
Bei Grauwasser handelt es sich um leicht verschmutztes Abwasser, das im Haushalt zum Beispiel beim Duschen, Baden oder Händewaschen entsteht. Es kann Seifenreste, Hautpartikel und andere geringe Mengen an Schmutz enthalten. Der große Unterschied zwischen Grauwasser und Schwarzwasser ist, dass Grauwasser frei von fäkalen Verunreinigungen ist, während Schwarzwasser aus Toiletten stammt und als nicht wiederverwendbar gilt.
In vielen Ländern ist es längst Standard, Grauwasser zu nutzen, – und auch hierzulande gewinnt das Thema zunehmend an Bedeutung. Private Haushalte können den eigenen Wasserverbrauch spürbar reduzieren, ohne auf Komfort zu verzichten. Bei technischer Aufbereitung von Grauwasser für den industriellen Bereich können sich die Einsparungen potenzieren.
Übrigens: Ebenfalls verwendete Begriffe für Grauwasser sind Brauchwasser, Betriebswasser oder Nutzwasser.
So funktioniert die Grauwassernutzung
Grauwasser kann auf unterschiedliche Weise eingesetzt werden – in einfachen Lösungen für private Haushalte genauso wie in größeren technischen Lösungen für Wohnkomplexe, Betriebe oder Industrieanlagen.
Im privaten Umfeld können schon einfache, pragmatische Maßnahmen helfen: Wer vorm Duschen beim Aufheizen des Duschwassers das zunächst kalte Wasser auffängt – zum Beispiel mit einem Eimer – und damit Pflanzen gießt oder die Toilette spült, betreibt bereits Grauwassernutzung im Kleinen. Darüber hinaus können schon einfache Grauwasseranlagen für Privathaushalte gebrauchtes Wasser von grobem Schmutz befreien und nutzbares, sauberes Wasser liefern.
Komplexere Grauwasseranlagen sind für Einzelhaushalte eher selten und werden primär in größeren Wohneinheiten oder öffentlichen Gebäuden verwendet. Dort arbeiten sie automatisiert und sammeln das Grauwasser aus Dusche, Waschbecken, Badewanne oder Waschmaschine in einem Zwischentank, filtern es und bereiten es so auf, dass es erneut verwendet werden kann. Getrennte Leitungsstränge stellen dabei sicher, dass Trinkwasser und Brauchwasser strikt voneinander getrennt bleiben.
Tipp: Moderne Grauwassernutzungsanlagen brauchen nur wenig Energie und lassen sich gut in Neubauten integrieren. Auch ein nachträglicher Einbau ist in bestimmten Fällen möglich.
Typische Einsatzbereiche für Grauwasser
Grauwasser eignet sich hervorragend für Anwendungen, bei denen keine Trinkwasserqualität erforderlich ist. Am häufigsten wird Grauwasser für die Toilettenspülung genutzt – ein Bereich, der tatsächlich bis zu einem Drittel des Trinkwasserverbrauchs eines Haushalts ausmacht.
Auch für die Gartenbewässerung sowie das Gießen von Pflanzen im Haushalt kann die Nutzung von Grauwasser sinnvoll sein, solange keine schädlichen Chemikalien oder belastenden Waschmittel enthalten sind.
Wenn das Grauwasser vorher aufbereitet wurde, kann es auch für die Waschmaschine und Reinigungsarbeiten rund ums Haus eingesetzt werden.
Allerdings gibt es klare Grenzen: Grauwasser darf niemals in den Trinkwasserkreislauf gelangen und die allgemeinen Hygieneanforderungen und regionalen Vorgaben müssen stets berücksichtigt werden.
Die Potenziale und Vorteile von Grauwasser
Nicht für jeden Einsatz von Wasser ist Trinkwasserqualität erforderlich. Die Wiederverwendung von Grauwasser ist deshalb eine der effizientesten Möglichkeiten, Wasser zu sparen und dabei gleich mehrere positive Effekte zu erzielen:
1. Trinkwasser sparen
Je nach Haushalt lassen sich durch Grauwasserrecycling bis zu 40 Liter frisches Trinkwasser pro Person und Tag einsparen, denn rund 50 bis 70 Prozent des gesamten Haushaltsabwassers sind Grauwasser. Es bietet also großes Potenzial, das Wasser mehrfach zu nutzen, bevor es endgültig in die Kanalisation gelangt.
2. Energieeffizienz
Ein weiterer positiver Effekt entsteht, wenn bei der Nutzung von Grauwasser die Restwärme im Abwasser aufgefangen wird. Besonders beim Duschen fließt in der Regel viel Wärme ungenutzt ab. Moderne Systeme zur Grauwasseraufbereitung nutzen diese Restwärme und führen sie dem Warmwasserkreislauf wieder zu – das Verfahren ist besonders energieeffizient und wird auch bei der Abwasserwärmerückgewinnung genutzt.
3. Kosteneffizienz
Ein geringerer Energie- und Frischwasserverbrauch sorgt automatisch für geringere Kosten. Dabei senkt die Grauwassernutzung nicht nur die Wasserkosten für Endnutzende, sondern reduziert auch die Menge an Abwasser, das von einer Stadt bzw. Gemeinde aufbereitet werden muss. Persönliche Kosten und Gemeinkosten fallen also.
4. Umweltschutz
Auch aus Sicht des Umweltschutzes lohnt sich die Nutzung von Grauwasser: Denn wer Brauchwasser nutzt, verbraucht weniger Frischwasser, spart Ressourcen und entlastet lokale Wassernetze. Zudem sinkt durch den geringeren Aufbereitungsbedarf auch der Energieeinsatz in Kläranlagen und damit wiederum die Umweltbelastung.
Übrigens: Lesen Sie unseren passenden Artikel für mehr Informationen zum Aufbau und zur Funktionsweise einer Kläranlage.
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