Was ist ein E-Bike?
Ein E-Bike ist ein elektrisch motorisiertes Fahrrad. Was die Allgemeinheit unter einem E-Bike versteht, heißt eigentlich Pedelec. Das Wort „Pedelec“ ist der fachgerechte Überbegriff für Elektrofahrräder, auch wenn im Alltag – sowie in diesem Beitrag – meist der Begriff „E-Bike“ verwendet wird. Wir erklären Ihnen die Unterschiede, die Funktionsweise, geben praktische Tipps zur Nutzung und beantworten häufig gestellte Fragen zum E-Bike. Außerdem erörtern wir, ob das E-Bike eine mögliche Alternative zum Auto ist.
Lesezeit: 5-6 Minuten
Inhalt:
Das Wichtigste auf einen Blick
- Die ersten Vorläufer von E-Bikes wurden vor über 130 Jahren in den USA erfunden.
- Pedelecs (umgangssprachlich „E-Bikes“) unterstützen beim Treten in die Pedale bis 25 km/h und gelten rechtlich als Fahrrad.
- E-Bikes sind eine gute Alternative zum Auto dank leistungsstarker Akkus, geringer Stromkosten und einer guten Umweltbilanz.
Historie: vom ersten E-Bike bis heute
1895: In den USA entstehen gegen Ende des 19. Jahrhunderts die ersten Vorläufer moderner E-Bikes. 1895 lässt sich Ogden Bolton Jr. ein Fahrrad mit elektrischem Hinterradnabenmotor patentieren. Zwei Jahre später folgt ein erster Tretlagermotor.
1930er Jahre: In Europa werden erste Elektrofahrräder in Kleinserie gebaut. Darunter auch das „Simplex-Elektrofahrrad“ von Philips, welches damals bereits mit Akku und Elektromotor ausgestattet ist.
1982: Der deutsche Erfinder Egon Gelhard entwickelt ein System, bei dem die Motorunterstützung nur beim Treten aktiviert wird. Dieses Prinzip bildet bis heute die Grundlage moderner Pedelecs.
1990er Jahre: 1993 bringt Yamaha mit dem „Power Assist System“ (PAS) das erste serienreife Pedelec auf den Markt. Kurz darauf macht ein Schweizer Unternehmen Flyer mit ersten Kleinserien E-Bikes in Europa populär.
2005: Leichtere und leistungsstärkere Lithium-Ionen-Akkus sorgen für größere Reichweiten und machen E-Bikes deutlich alltagstauglicher. Gleichzeitig werden die Designs moderner und sportlicher.
2010er Jahre: Immer kompaktere Motoren, bessere Akkus und neue Fahrradtypen sorgen dafür, dass der Markt stark wächst. Das Image vom „Seniorenrad“ weicht auf.
2020 bis heute: Während der Corona-Pandemie steigt die Nachfrage nach Fahrrädern und E-Bikes weiter stark an. Nahezu alle Altersgruppen nutzen mittlerweile E-Bikes.
E-Bikes funktionieren eher wie kleine Elektromofas und sind heutzutage weniger verbreitet. Der Motor reagiert allein auf Knopfdruck, also auch ohne in die Pedale zu treten, was den wesentlichen Unterschied zum Pedelec ausmacht.
Pedelecs bieten nur beim Treten in die Pedale eine elektrische Motorunterstützung. Sie erfolgt nur für Geschwindigkeiten bis zu 25 km/h. Werden die Pedalen nicht mehr bewegt oder höhere Geschwindigkeiten erreicht, schaltet sich der Motor ab. Der Begriff Pedelec steht für „pedal electric cycle“ (pedal-elektrisch betriebenes Fahrrad).
S-Pedelecs bieten beim Treten in die Pedale ebenfalls eine Motorunterstützung, jedoch mit einer höheren Geschwindigkeitsgrenze. Die S-Pedelecs erreichen Geschwindigkeiten bis zu 45 km/h per Elektromotorunterstützung. Für die Nutzung von S-Pedelecs (Speed Pedelecs) braucht es eine extra Zulassung inklusive Kennzeichen, eine Fahrerlaubnis für Roller (Klasse AM), einen Helm und eine Haftpflichtversicherung.
Übrigens: Meist startet die Unterstützung des E-Motors bei Pedelecs erst ab einer Geschwindigkeit von 6 km/h. So wird verhindert, dass schon leichte Bewegungen der Pedale das Fahrrad unkontrolliert in Bewegung setzen.
Wie funktioniert ein E-Bike?
Die Funktionsweise von E-Bikes bzw. Pedelecs ist wie folgt: Im Tretlager des Pedelecs befinden sich mehrere kleine Magneten. Beim Treten in die Pedale werden diese Magneten am Sensor vorbeigeführt und aktivieren ihn – ab einer gewissen Grundgeschwindigkeit.
Daraufhin schickt der Sensor ein Signal an den Controller, wodurch dieser "weiß", dass das Elektrofahrrad in Bewegung ist. Erst dann aktiviert der Controller den Elektromotor und es kommt zu einer Unterstützung beim Treten.
Werden die Pedalen nicht mehr bewegt, erhält der Controller kein Signal mehr vom Sensor und die Unterstützung fällt weg. Der Akku des Fahrrads liefert dabei den Strom für den Elektromotor, Controller etc. Meist kann über eine Steuereinheit am Lenker unter anderem die Stärke der Unterstützung konfiguriert werden.
Übrigens: Mehr über die Funktionsweise von Elektromotoren in Autos erklären wir in unserem Beitrag zum Elektroauto.
Ist das E-Bike eine Alternative zum Auto/E-Auto?
Für viele Menschen ist ein E-Bike im Alltag eine gute Alternative zum Auto, vor allem auf kürzeren Strecken. Besonders in großen Städten lassen sich Einkäufe, Freizeitfahrten oder Arbeitswege häufig unkompliziert mit einem E-Bike erledigen. Nicht selten geht es dabei schneller voran als mit dem Auto im Berufsverkehr oder Stau, außerdem entfällt die Parkplatzsuche.
Aber auch auf längeren Strecken oder generell bei Gegenwind können E-Bikes angenehm sein. Sie sind nicht zufällig häufig das Mittel der Wahl bei Fahrradtouren und Ausflügen.
Außerdem verursachen E-Bikes weniger laufende Kosten als Autos. Während Autos Kraftstoff, Versicherung, Steuern, TÜV und Wartung benötigen, zahlen Sie bei einem E-Bike häufig nur Strom- und gelegentlich Reparaturkosten. Last but not least: Das E-Bike produziert keine direkten Emissionen.
Selbst im Vergleich mit E-Autos wird die Effizienz des E-Bikes deutlich. Während ein E-Auto je nach Modell meist zwischen 15 und 25 Kilowattstunden Strom pro 100 Kilometer verbraucht, benötigen E-Bikes häufig nur etwa 1 bis 2 Kilowattstunden für diesselbe Strecke. Die Stromkosten sind also deutlich geringer bei der zweirädrigen E-Mobilität.
Dennoch eignet sich ein E-Bike nicht für jede Situation gleichermaßen. Für sehr lange Strecken, schwere Transporte oder Fahrten bei schlechtem Wetter ist das Auto bzw. E-Auto praktischer. Häufig sind E-Bikes deshalb auch nur eine Ergänzung zum Auto, dass ebenfalls ganz praktisch zuhause mit eigenem Strom per Wallbox geladen werden kann.
Tipp: Das umweltfreundlichste Fortbewegungsmittel ist natürlich das klassische Fahrrad. Vorteile des Fahrradfahrens im Allgemeinen sowie Hintergründe zur Bedeutung des Fahrrads finden Sie übrigens in unserem Artikel zum Weltfahrradtag.
10 Tipps für die Nutzung des E-Bikes
1. Tipp: Machen Sie sich mit dem E-Bike vertraut
Fahren Sie für Ihre erste Fahrt mit einem E-Bike langsam eine vertraute und verkehrsarme Strecke ab, um sich an das E-Bike zu gewöhnen. Testen Sie dabei vorsichtig alle Modi aus.
2. Tipp: Fahren Sie vorausschauend
E-Bikes beschleunigen schneller und sind schwerer als normale Fahrräder. Besonders in Kurven, bei Nässe und im Stadtverkehr ist eine angepasste Fahrweise wichtig. Außerdem sollten Sie einen Helm tragen und die allgemeinen Verkehrsregeln beachten.
3. Tipp: Pflegen Sie den Akku
Extreme Hitze, Kälte, Feuchtigkeit, direkte Sonneneinstrahlung oder vollständiges Entladen können den Akku beschädigen oder die Lebensdauer deutlich verkürzen. Außerdem entlastet ein niedriger Gang mit höherer Trittfrequenz den Akku, weil dieser dann weniger arbeiten muss.
4. Tipp: Lagern Sie den Akku richtig im Winter
Bei längerer Nichtnutzung des E-Bikes sollten Sie Ihren Akku trocken bei etwa 30 bis 60 Prozent Ladestand lagern. Sehr niedrige Temperaturen können die Leistung beeinträchtigen.
5. Tipp: E-Bike Akku richtig laden
Genau wie beim E-Auto richtig laden oder anderen Geräten mit Akku können Sie die Lebensdauer des Akkus erhöhen. Laden Sie den Akku immer bei Zimmertemperatur, nie ganz voll und lassen Sie das E-Bike nie lange mit vollem Akku stehen.
6. Tipp: Nutzen Sie die passende Unterstützungsstufe
Wer dauerhaft auf höchster Unterstützungsstufe fährt, verbraucht mehr Strom und reduziert die Reichweite. Für viele Strecken reicht oft die niedrigste Unterstützungsstufe (Eco) aus.
7. Tipp: Planen Sie längere Fahrten im Voraus
Vor allem bei längeren Touren sollten Reichweite, Akkustand und mögliche Ladepunkte bedacht werden. Gegenwind, Steigungen und hohe Unterstützungsstufen können die Reichweite reduzieren.
8. Tipp: Kontrollieren Sie regelmäßig Bremsen und Reifen
Durch das höhere Gewicht und die höheren Geschwindigkeiten werden Bremsen und Reifen stärker belastet als bei normalen Fahrrädern. Regelmäßige Wartungen erhöhen die Sicherheit und der richtige Reifendruck spart Akku.
9. Tipp: Achten Sie auf einen sicheren Diebstahlschutz
E-Bikes werden wegen ihres hohen Werts besonders häufig gestohlen. Hochwertige Schlösser und ein sicherer Abstellplatz sind daher empfehlenswert. Falls Ihr E-Bike einen herausnehmbaren Akku hat, nehmen Sie diesen sicherheitshalber mit, wenn Sie Ihr E-Bike abstellen.
10. Tipp: Sorgen Sie für gute Sichtbarkeit
Gerade in der dunklen Jahreszeit oder bei schlechtem Wetter ist gute Beleuchtung besonders wichtig. Reflektoren, helle Kleidung und funktionierende Fahrradlichter helfen dabei, im Straßenverkehr besser gesehen zu werden. Noch mehr zum Thema Fahrradsicherheit erfahren Sie in unserem Beitrag Radfahren im Winter.
Wie viel kostet ein E-Bike?
Wie bei vielen Produkten gibt es eine große Bandbreite. Alltagstaugliche E-Bikes kosten häufig zwischen 2.000 und 3.500 Euro. Allerdings gibt es auch günstigere E-Bikes und ebenso zahlreiche Modelle mit höherer Qualität und entsprechend zum Teil deutlich höheren Preisen. Es kommt darauf an, was Sie benötigen. Eine Beratung im Fachhandel kann Ihnen hier weiterhelfen.
Wie schwer ist ein E-Bike?
E-Bikes sind durch Motor und Akku schwerer als normale Fahrräder. Die meisten Modelle wiegen etwa zwischen 20 und 30 Kilogramm, wobei der Akku etwa 2 bis 5 Kilogramm ausmacht.
Wie hoch ist die Reichweite beim E-Bike?
Die typische Reichweite eines E-Bikes liegt zwischen 40 und 120 Kilometer pro voller Akkuladung. Durch vorausschauendes Fahren und die Nutzung des Eco-Modus kann die Reichweite erhöht werden.
Wie viel Strom verbraucht ein E-Bike?
E-Bikes verbrauchen vergleichsweise wenig Strom. Je nach Akku und Fahrweise liegt der Verbrauch häufig bei etwa 1 bis 2 Kilowattstunden pro 100 Kilometer. Damit zählen E-Bikes zu den energieeffizientesten Verkehrsmitteln im Alltag.
Kann ich ein E-Bike auch mit leerem Akku fahren?
Ja, auch mit leerem Akku oder ohne Akku kann ein E-Bike weiterhin gefahren werden. Durch das höhere Gewicht von Motor und Akku ist das Fahren jedoch meist anstrengender als bei einem herkömmlichen Fahrrad.
Wie lange dauert eine Akkuladung?
Je nach Akkugröße und Ladegerät dauert eine vollständige Akkuladung meist zwischen 3 und 6 Stunden. Viele Akkus sind jedoch bereits nach etwa 2 Stunden zu rund 50 Prozent geladen.
Gibt es E-Bike-Ladestationen?
Ja, es gibt immer mehr öffentliche Ladestationen für E-Bikes. Einer der bekanntesten Anbieter ist das österreichische Unternehmen „bike-energy“, das Ladestationen in zahlreichen Städten und touristischen Regionen in Deutschland und Österreich betreibt.
Auch an öffentlichen E-Auto-Ladesäulen (Typ 2) ist das Laden theoretisch möglich, erfordert aber oft einen speziellen Adapter (Typ-2-Notladekabel/E-Bike-Ladeadapter).
Ab wann darf man E-Bike fahren?
Pedelecs mit einer Motorunterstützung bis 25 km/h gelten rechtlich als Fahrräder und dürfen grundsätzlich bereits von Kindern gefahren werden. Aufgrund des höheren Gewichts und der stärkeren Beschleunigung empfiehlt sich die Nutzung eines E-Bikes jedoch eher für Jugendliche ab etwa 14 Jahren.
Für S-Pedelecs mit Unterstützung bis 45 km/h braucht es eine Zulassung, ein Kennzeichen sowie mindestens eine Fahrerlaubnis der Klasse AM. Die Nutzung ist erst ab 16 Jahren erlaubt.
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